OLG Frankfurt, 22.02.2018, Az.: 16 U 87/17 (nicht rechtskräftig)

Teilnahme an öffentlichem Sportereignis rechtfertigt keine alleinige Fotoberichterstattung über eine Prominente

Besteht der Gegenstand einer Fotoberichterstattung zu einem öffentlichen Reitturnier ausschließlich in der Teilnahme einer Prominenten und nicht in der Darstellung des Sportereignisses, wird die Prominente durch die Veröffentlichung der Fotos in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt.

Der Sachverhalt
Der Klägerin ist die Tochter eines berühmten ehemaligen deutschen Autofahrers, die Beklagte ein großer deutscher Zeitschriftenverlag. Aus Anlass eines Reitturniers veröffentlichte die Beklagte 4 Fotos der Klägerin, welche siebei einem Reitturnier zusammen mit ihrer Familie zeigen. Die Beklagte verwendete in ihrer Berichterstattung zudem ein weiteres Foto, welches die Klägerin als Kleinkind vor 17 Jahren auf der Tribüne bei einem Fußballturnier zeigt. Die Klägerin nimmt die Beklagte auf Unterlassung der Veröffentlichung dieser 5 Fotos in Anspruch. Das LG Frankfurt hat der Klage stattgegeben. Die Beklagte hat Berufung eingelegt.

Die Gründe
Das OLG Frankfurt hat die Berufung zurück gewiesen. Die Klägerin hat durch ihre Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung nur in die Verbreitung von Bildnissen eingewilligt, die sich mit dem Turniergeschehen befassen. Die ausschließliche Berichterstattung über eine Teilnahme der Klägerin und das Zusammentreffen mit ihrer Familie bei dem Turnier ist davon nicht umfasst. Der Berichtsfokus wird insbesondere auch dadurch deutlich, dass keine Ergebnisse oder sonstigen Informationen zu dem Turnier in der Berichterstattung der Beklagten enthalten sind. Daher liegt eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Klägerin vor.

Auch die Verwendung des Kinderfotos der Klägerin ist unzulässig. Selbst bei bekannten Sportlern bedarf eine Verwendung von Kinderfotos stets der vorherigen Einwilligung. Da die Klägerin mittlerweile erwachsen ist, hätte sie zuvor um Zustimmung zur Veröffentlichung gebeten werden müssen.

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 19.03.2018 10:56
Quelle: Dr. Karolin Nelles LL.M.

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